Trügerischer Sommertag
In gleißendes Licht getaucht preist der farbenprächtige Garten seine Idylle.
Die Beobachterin notiert einen kleinen, vielleicht dreijährigen Jungen, der mit seinem Dreirad die Weiten des englischen Rasens pflügt. Am Gartentisch sitzt eine, mit ebenmäßigen Gesichtszügen gezeichnete, schöne Frau, vertieft in ein Buch. Ein kleines, dickes Mädchen kommt mit einem Springseil gelaufen.
Ungelenk ob seiner Körperfülle, die Normmaße einer Fünfjährigen weit übersteigend, versucht sich das Mädchen im Seilspringen. Wieder und wieder legt es das Seil vor sich auf den Boden, hüpft darüber. Schwungvolles Springen ist sein Ziel und will ihm partout nicht gelingen. Das Kind schimpft leise vor sich hin, die Mutter wendet ihm den Blick zu. „Soll ich dir zeigen wie’s geht“, fragt sie beherzt. Freudig bejahend schaut das dicke Mädchen erwartungsvoll zu seiner Mutter.
Die legt das Buch aufgeschlagen auf den Gartentisch und nähert sich, von Liebe, Mut und Angst getrieben, der Tochter.
Leichtfüßig schwingt sie das Seil, überspringt es behende und vielfach. Gebannt und bewundernd schaut das dicke Mädchen zur Mutter auf.
Seine Freude verdrängt was es auch sieht, aber nicht wahr haben will. Die geliebte Mutter versucht mit gespielter Leichtigkeit ihr Keuchen zu verbergen. Was sie nicht verstecken kann, ist ihr blau anlaufendes Gesicht.
Dumpfer Aufprall und schriller Schrei verschmelzen in einem Geräusch.
Die Beobachterin sieht die Mutter röchelnd im satten, grünen Gras liegen, das dicke Mädchen verzweifelt über sie gebeugt. Der kleine Junge pflügt mit seinem Dreirad den englischen Rasen eilig in Richtung der Frau.
Ein Mann betritt hastig die Szene. Vorwurfsvoll und grimmig blickt er auf das dicke Mädchen herab, das in Tränen aufgelöst neben seiner Mutter kniet. Er beginnt mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage. Langsam kommt die Frau zu sich, ihr Blick sucht und trifft liebevoll den des weinenden dicken Mädchens.
Minuten später legt der Notarzt die Mutter auf eine Trage, die Tür des Wagens schließt sich, mit dem Fahrzeug scheint sich die Mutter für immer von dem dicken Mädchen zu entfernen.
Wochen, Monate wird sie im Krankenhaus liegen, werden Ärzte dubiose Diagnosen stellen.
Nie vergißt die Beobachterin den Blick des Vaters und hat ihm doch verziehen.
Die Beobachterin notiert einen kleinen, vielleicht dreijährigen Jungen, der mit seinem Dreirad die Weiten des englischen Rasens pflügt. Am Gartentisch sitzt eine, mit ebenmäßigen Gesichtszügen gezeichnete, schöne Frau, vertieft in ein Buch. Ein kleines, dickes Mädchen kommt mit einem Springseil gelaufen.
Ungelenk ob seiner Körperfülle, die Normmaße einer Fünfjährigen weit übersteigend, versucht sich das Mädchen im Seilspringen. Wieder und wieder legt es das Seil vor sich auf den Boden, hüpft darüber. Schwungvolles Springen ist sein Ziel und will ihm partout nicht gelingen. Das Kind schimpft leise vor sich hin, die Mutter wendet ihm den Blick zu. „Soll ich dir zeigen wie’s geht“, fragt sie beherzt. Freudig bejahend schaut das dicke Mädchen erwartungsvoll zu seiner Mutter.
Die legt das Buch aufgeschlagen auf den Gartentisch und nähert sich, von Liebe, Mut und Angst getrieben, der Tochter.
Leichtfüßig schwingt sie das Seil, überspringt es behende und vielfach. Gebannt und bewundernd schaut das dicke Mädchen zur Mutter auf.
Seine Freude verdrängt was es auch sieht, aber nicht wahr haben will. Die geliebte Mutter versucht mit gespielter Leichtigkeit ihr Keuchen zu verbergen. Was sie nicht verstecken kann, ist ihr blau anlaufendes Gesicht.
Dumpfer Aufprall und schriller Schrei verschmelzen in einem Geräusch.
Die Beobachterin sieht die Mutter röchelnd im satten, grünen Gras liegen, das dicke Mädchen verzweifelt über sie gebeugt. Der kleine Junge pflügt mit seinem Dreirad den englischen Rasen eilig in Richtung der Frau.
Ein Mann betritt hastig die Szene. Vorwurfsvoll und grimmig blickt er auf das dicke Mädchen herab, das in Tränen aufgelöst neben seiner Mutter kniet. Er beginnt mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage. Langsam kommt die Frau zu sich, ihr Blick sucht und trifft liebevoll den des weinenden dicken Mädchens.
Minuten später legt der Notarzt die Mutter auf eine Trage, die Tür des Wagens schließt sich, mit dem Fahrzeug scheint sich die Mutter für immer von dem dicken Mädchen zu entfernen.
Wochen, Monate wird sie im Krankenhaus liegen, werden Ärzte dubiose Diagnosen stellen.
Nie vergißt die Beobachterin den Blick des Vaters und hat ihm doch verziehen.