Leben und Lassen

Freitag, 4. Juli 2008

Arbeitsagentur – Erfahrungsbericht einer angehenden Terroristin (II)

Nachdem ich vorerst mündlich und dann tatsächlich schriftlich erhaltene Informationen mit identischem Ergebnis gegen recherchiert habe, kündige ich mein Arbeitsverhältnis.
Pflichtgemäß melde ich mich umgehend und fristgerecht über die Hotline mittels meiner Kundennummer arbeitslos und erwähne gleich, dass ich bereits bei der Agentur xxx, Team yyy vorgesprochen und dort über meine konkreten Pläne, mich selbständig zu machen, informiert hätte.
Der Call-Center-Agent: „Dann haben sie ja alle Unterlagen, um sich arbeitslos zu melden.“ Ich: „Nein, die habe ich nicht.“ Er: „Wieso, die hätte man ihnen doch mitgeben müssen?“ Ich: „Nein, hat man nicht. Ich habe nur die Unterlagen zur Beantragung des Gründungszuschusses.“ Er: „Ich glaube es nicht! Ich lasse ihnen die Unterlagen zuschicken.“
Ich bin frustriert.

Am gleichen Abend fällt mir aus dem Briefkasten ein fetter Umschlag mit Unterlagen der Arbeitsagentur entgegen. Super. Der Antrag. Aber: das kann gar nicht sein, ich habe doch am Vormittag erst telefoniert. Und ‚Arbeitspaket Teil 3 – Vorbereitung Vermittlungsgespräch’? Hallo Amt, ich habe mich bereits an mich selbst vermittelt! Und ihr wisst das! Im Anschreiben werde ich gebeten am ersten Tag des übernächsten Monats am Infostand vorzusprechen – mit den ausgefüllten Unterlagen. Zu spät! An dem Tag wären alle mich verpflichtenden Fristen fast verstrichen und bei der bisher bewiesenen Trantutigkeit der Anstalt will ich nichts riskieren.
Ich koche. Die kochen Kaffee. Irgendwie muss der Tag ja verstreichen. Die Kommunikation in der Agentur scheint nur zu funktionieren, wenn die Kaffeemaschine die Hufe hochreißt – also ernsthafte Einschnitte in den Büroalltag drohen.

Wenige Tage später. Der Antrag auf Gründungszuschuss ist ausgefüllt, der Businessplan geschrieben und vom Steuerberater abgesegnet. Ich beabsichtige, ihn zusammen mit der ich-bin-arbeitslos-für-zwei-Tage-Meldung (ein Tag mehr als die gesetzlich vorgeschriebene Frist vor der Selbständigkeit – Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste…) abzugeben – ist ein Abwasch und spart Zeit. Schließlich habe ich noch andere Dinge zu tun. Akquise zum Beispiel.

Es muss also ein Termin mit dem Arbeitsberater her, denn der nimmt den Antrag entgegen und muss die Unterlagen prüfen, so die Auskunft beim Beratungsgespräch.

Ein erneuter Versuch die Agentur anzurufen. Nachdem ich mich durchs Menü gedrückt habe, fliege ich wegen Überlastung aus der Leitung. Wenigstens sagt die Computerstimme das vorher an. Zwei Stunden lang probiere ich es wieder und wieder. Nichts zu machen. Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Ich könnte Knochen kotzen. Behandelt man so KUNDEN? Aber der Kunde ist ja nur König – die Arbeitsagentur mindestens Kaiser, wenn nicht Gott!
Viele Wege führen nach Rom. Plan B also. Ich greife zum Handtelefon. Hier ist das Prozedere anders. Der Anrufer muss seine Postleitzahl eintippen und wird danach in ein lokales Call-Center durchgestellt. Geht doch, denke ich. Die nette Frau an der Hotline teilt mir mit, dass bei dem für mich zuständigen Arbeitsberater (der Name bleibt Agenturgeheimnis) erst im übernächsten Monat Termine frei sind.
Ich: „Dann kann ich die gesetzlichen Fristen nicht einhalten. Das geht nicht. Ich habe ein Recht auf einen früheren Termin.“ Sie: „Das haben sie, ja. Sie bekommen innerhalb von 48 Stunden einen Rückruf. Ich kann gerade nichts für sie tun.“
Hatten wir das nicht schon? Sofort brauche ich einen Blasenkatheter und einen Anuspreter – mit dem Handtelefon zur Toilette zu gehen wird nämlich nie ein Reflex.

- Fortsetzung folgt -

Dienstag, 1. Juli 2008

Arbeitsagentur – Erfahrungsbericht einer angehenden Terroristin (I)

Die Situation ist günstig, die Angebote liegen auf dem Tisch. Frau will sich selbständig machen und dem Joch der abhängigen Beschäftigung entfliehen.
Als fleißige Zahlerin gesetzlicher Beiträge zur Arbeitslosenversicherung möchte ich dabei den mir rechtlich zustehenden Gründungszuschuss in Anspruch nehmen.
Ein Anruf bei der Hotline der Arbeitsagentur soll meine letzten diesbezüglichen Fragen klären. 01801-555111, 3,9 c pro Minute. Ob der Anruf erst ab Annahme oder schon in der Warteschleife kostenpflichtig ist, bleibt offen. Das finde ich grenzwertig, müssen doch auch Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger mit extrem geringen Einkünften dort anrufen. Nach zehn Minuten sich wiederholenden Bla-Blas lande ich in irgendwo in dieser Republik in einem Call-Center. Die Auskünfte sind unbefriedigend (und wie sich später heraus stellen sollte, teilweise falsch), zur zuständigen Agentur durchstellen kann man mich nicht, schriftlich gibt es selbstverständlich auch nichts.
Da mir schwant, dass sich bei einer Kündigung durch den Arbeitnehmer bei meinem Vorhaben Problemzonen auftun, gehe ich zur Beratung in die Arbeitsagentur. Für Akademiker hat man in Berlin eigens eine Zweigstelle der Arbeitsagentur eingerichtet. Warum? Das wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Montag, 9 Uhr. Die Dame am Informationsschalter händigt mir diverse Formulare aus und verweist mich in den Wartebereich – ich würde aufgerufen. Die Formulare fragen nach Adressdaten und Beschäftigungszeiten der letzten sieben Jahre mit Tag, Monat, Jahr. Klar, hat Frau ja einfach so im Kopf. Ich fülle alles nach bestem Wissen und Gewissen aus. Dann werde ich sogar abgeholt - schon nach zehn Minuten! Die junge Frau, geschätzte 25, sieht die Formulare durch und ich erkläre was ich will. Zuerst müsse sie meine Daten eingeben, sonst ginge gar nichts. Ich frage warum meine Daten nicht mehr im Computer sind, schließlich war ich doch schon vor zweieinhalb Jahren mal zur Beratung hier gewesen. „Die Daten sind bis auf die Adresse gelöscht.“ – erstklassige Begründung.
Ich erwäge eine kleine Spende zur Erweiterung des Speicherplatzes der Arbeitsagentur.
Die Daten müsse sie nun neu eingeben, ich solle draußen warten. 15 Minuten später, Zeit genug, um mindestens zwei Kaffee zu verstoffwechseln und die Daten dreier potentieller Kunden einzuspeisen, sitze ich wieder vor ihr. Über die möglichen Hindernisse, die sich aus einer Eigenkündigung bei der Antragstellung auf Gründungszuschuss ergeben, könne sie mir nichts sagen, das müsse die Leistungsabteilung tun.
Ich: „Na dann gehe ich da gleich hin.“ Sie: „Nein, das geht nicht.“ Ich: „Warum nicht? Es ist total leer hier und im persönlichen Gespräch lässt sich doch alles schnell klären.“ Sie: „Nein, das geht nicht. Die Leistungsabteilung wird sie anrufen innerhalb der nächsten 48 Stunden.“ Ich: „Super! Kann man sie wenigstens per email erreichen. Vielleicht auf einer Adresse, die nicht info[ät]arbeitsagentur.de heißt und deren Posteingang dann verlost wird?“
Mit einer Email-Adresse für Team yyy und einem Merkblatt für Arbeitslose versehen (bin ich nicht, werde ich nicht sein!) und – wichtig, wichtig - meiner KUNDENnummer verlasse ich den Raum. Kundin bin ich jetzt also, das erleichtert im Geschäftsleben ja vieles, bei der Arbeitsagentur nur Kleinigkeiten.

Ein Anruf wird also kommen. Ich warte. Und warte. Und warte. Zwei Tage und weit mehr als 48 Stunden später. Der Rückruf der Leistungsabteilung ist nicht erfolgt. Ich werde also noch Mal die Hotline bemühen müssen. Wozu eigentlich? Um mich wieder inkompetent abweisen zu lassen? Harndrang. Während ich zur Miktion bin, klingelt mein Handtelefon. War ja klar. Unbekannter Teilnehmer vermeldet das Anrufprotokoll bei meiner Rückkehr zum Schreibtisch (note to myself: Handy während laufender Verhältnisse mit der Arbeitsagentur immer mit auf die Toilette nehmen!).
Ich schicke eine Email an die mir ausgehändigte Adresse. Das Ding kommt zurück. Adresse unbekannt. Ich versuche alle logisch erscheinenden Adress-Varianten. Kann ja jeder mal einen Fehler machen, gebe ich der jungen Frau vom Amt Kredit. Die Mails kommen alle zurück. In mir steigt Ohnmacht auf. Und Wut.
Agenturmitarbeiter in die freie Wirtschaft, vier Wochen, unter härtesten Bedingungen – und dann zurück ins Amt. Ich stelle mir die Mutation von bissigen Hunden zu frommen Lämmern bildlich vor.
Also wieder die Hotline. Beim dritten Versuch und 30 vergeudete Minuten später erfolgreich, entschuldige mich dafür, dass die Frau am anderen Ende der Leitung meinen geballten Zorn ertragen muss (was sie wohl schon aus Erfahrung demutsvoll tut), erkläre den verpassten Anruf mit einem Blasenproblem und bitte inständigst um Rückruf der Leistungsabteilung, da mein weiteres Vorgehen doch von deren Auskünften abhinge. Ach und ob sie mir nicht die Email-Adresse der Agentur xxx, Team yyy geben könne. Kann sie. Die Adresse unterscheidet sich gravierend von der mir ausgehändigten und auch durch Probieren aller Varianten bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hätte ich darauf nicht kommen können. Ich schreibe eine Mail und bitte um Rückruf der Leistungsabteilung. Eine Antwort erhalte ich nicht – hatte ich die wirklich erwartet?

Am selben Tag gegen 18 Uhr ruft mich die Leistungsabteilung an. Kompetent beantwortet die Mitarbeiterin alle meine Fragen am Telefon und sichert mir Gesagtes in schriftlicher Form innerhalb der nächsten drei Tage zu. Ich beginne, an Wunder zu glauben.
Aber nur in kleinen Dingen sind sie groß, die Mitarbeiter der Verhinderungsagentur….

- Fortsetzung folgt -

Donnerstag, 22. Mai 2008

eine stunde

tiefschlaf. schläuche. wehrlos abhängig. in erfahrung vertrauen. hoffen. nur eine stunde.

Freitag, 16. Mai 2008

Mesmerized

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Samstag, 12. April 2008

Reise

Reise1

Frühlingsgefühle im Staccato.
Der Körper schwingt im Takt.
Die innere Stimme vermeldet Sicherheit.

Dienstag, 8. April 2008

Bifocal Perspective

bifocal-perspective

Samstag, 5. April 2008

Gemengelage

Die Straßenecke ist belebt, das Café voll. Ich balanciere Kalorienbombe und Kaffee an einen Tisch, setze mich unbeholfen, die Zeitung ablegend. Lesen will ich und doch bleibt keine Zeile haften. Mein Blick schweift unruhig. Es ist ein FreiTag. Frühlingshaft warm. Die selektive Wahrnehmung vermeldet eine Überzahl an Kleinstkindern und dazugehörigen Eltern(teilen). Da liegt er vor mir, der unbekannte Mikrokosmos. Unterbrochene Gespräche, wahlweise am Mobiltelefon, weil das Kind schreit. Ein „Du war(s)t’ mal“, in der Endlosschleife. Ich bin da und doch nur anwesend. Die Welt aus der ich gerade komme ist so anders.

Donnerstag, 3. April 2008

Lifeline

lifeline

Those will be our tunes.

Mittwoch, 26. März 2008

Wortbruchstellen eines Weiberabends II

"Nimm sie. Das sind die Schlappen eines Transitmannes."

Sonntag, 23. März 2008

Monologue

easter