Letaler Traum
Die Fee tanzt einen Reigen mit dem kleinen Mädchen. Leichtfüßig schweben sie durch unergründlich schöne Landschaften. Wärme durchströmt das Kind. Nur fern nimmt es den dunklen, sich langsam nähernden Schatten wahr. Die kurz im Licht funkelnde Sense entgeht seinen Blicken. Das Mädchen tanzt weiter, glücklich.
Ein Geräusch dringt in seinen Traum. Leise Wortwechsel. Eine Hand streift seine Schulter.
Sie solle aufwachen. Die Stimme des Vaters. Wie durch Watte hört das Mädchen: ‚Deine Mutter ist gestorben’. Die Bedeutung der Worte nimmt es nicht wahr, ein Verstehen ist ihm unmöglich.
Es träumt weiter.
Tränen rollen über die Wangen des Vaters, Salz brennt sich in seine Haut. Unerreichbar für eine Berührung.
Das Mädchen will tanzen. Doch die Fee verliert sich in düsterem Grau. Das Mädchen sieht statt dessen eine sich langsam ankleidende Sechsjährige die kurz darauf in einem dahinrasenden Auto versinkt. Landschaften ziehen an ihr vorbei, aufsteigende Nebel halten den Traum.
Die Großeltern sitzen mit im Wagen. Mit tieftraurigen Blicken schauen sie das Mädchen an. Ihre Gesichter verschmelzen mit den vorüberfliegenden, verzerrten Bildern der Landschaften. Das Kind fühlt Angst in sich aufsteigen.
Versteckt hinter schützenden Tränenschleiern träumt es weiter.
Stunden später führt es sein Traum in ein großes Backsteingebäude. Efeu rankt an den Mauern. Das Mädchen zupft ein Blatt, hält es wie einen Schatz in seinen Händen und sich daran fest. Das Dunkelrot des Hauses gibt verwunschene Gänge preis. Turmhoch verheißen sie ihm nichts Gutes. Verloren läuft es den anderen hinterher. Furchteinflößend erscheint ihm seine Traumwelt, unheimlich und teilnahmslos die sich darin bewegenden Personen. Von blassem Weiß ist ihre Kleidung, gedämpft ihre Stimmen, langsam ihr Gang. Unzählige Türen verwirren das Kind. Menschen verschwinden dahinter in unbekannte Welten, leise fallen Schlösser zu. Das Mädchen sieht in der Ferne seine Anverwandten mit einer weiß gewandeten Gestalt flüstern. Es bleibt zurück, bereit die Welten hinter den Türen zu ergründen.
Nur so kann es weiterträumen.
Zaghaft umfaßt seine Hand eine Klinke hoch über sich. Knarrend öffnet sich die Tür. Mit vorsichtigen Schritten betritt das Mädchen den Raum. Kälte umströmt es in der neuen Welt. Fröstelnd schlingt das Mädchen die Arme um seinen kleinen Körper. Karg und grau erscheint ihm der Raum. Dämmriges Licht dringt durch ein Fenster. Schüchtern schaut es sich um, erblickt Tisch und Stuhl. Als hätte jemand fluchtartig diesen Ort verlassen, steht der Stuhl verkantet im Raum. Geschwächt von der Kälte in seinen Gliedern, wagt es das Mädchen nicht, sich zu setzen.
Es schaut nach links. Was es wahrnimmt, läßt seinen Atem stocken. Übereinander aufgebahrt liegen drei Körper, bedeckt mit Tüchern. Lediglich Haare und Füße lugen unter dem Stoff hervor. Am den großen Zehen hängen Pappschilder. Das kleine Mädchen kann nicht lesen was darauf steht. Kaltes Schaudern ergreift das Kind. Seine Traumreise wird zum Albtraum.
Es will weiter träumen.
Vor Kälte zitternd, ergreift es mit letzter Kraft den Zipfel eines Lakens.
Angst und Neugier lassen es furchtsam das Tuch zurück ziehen. Was das Kind sieht, läßt Traum und Wirklichkeit eins werden. Ungläubig blickt das Mädchen ins Antlitz seiner Mutter. Sie schläft, denkt es und schaut in ihr friedvolles Gesicht. Das Kind sucht nach Worten, um die Mutter sanft zu wecken. ‚Steh’ auf, komm mit mir’, will es sagen, als eine Hand es fest an der Schulter faßt und gewaltsam aus dem Raum zerrt.
Es will weiter träumen.
Die Fee kehrt zurück, schaut das Mädchen mit dem Gesicht der Mutter an. Ihre Stimme sagt: ‚Laß mich gehen und ich komm zurück’. Das Mädchen kann nicht begreifen. Erstarrt steht es im hohen Flur. Die Fee greift seine Hand, so gern würde es mit ihr gehen. Die Stimme des Vaters dringt tiefer. ‚Sie ist tot. Sie wird nicht zurück kommen.’ Heimlich entschwindet die Fee. Vergeblich versucht das Mädchen, sie aufzuhalten.
Es will weiter träumen.
Schwarzgrau rasen die Landschaften im Wagen an ihm vorbei. Das Mädchen sieht einen Schmetterling aus einer Puppe schlüpfen, folgt seinem kraftvollen Flügelschlag.
Stundenlang sitzt es später vor der Sanduhr der Großeltern, dreht sie wieder und wieder und beobachtet starren Blickes das Rinnen der Körner durch die Zeit.
Jahre noch sucht die Fee mit dem Antlitz der Mutter das Mädchen in seinen Träumen heim und gemeinsam durchleben sie diesen einen Tag, der alles zurück bringt.
Ein Geräusch dringt in seinen Traum. Leise Wortwechsel. Eine Hand streift seine Schulter.
Sie solle aufwachen. Die Stimme des Vaters. Wie durch Watte hört das Mädchen: ‚Deine Mutter ist gestorben’. Die Bedeutung der Worte nimmt es nicht wahr, ein Verstehen ist ihm unmöglich.
Es träumt weiter.
Tränen rollen über die Wangen des Vaters, Salz brennt sich in seine Haut. Unerreichbar für eine Berührung.
Das Mädchen will tanzen. Doch die Fee verliert sich in düsterem Grau. Das Mädchen sieht statt dessen eine sich langsam ankleidende Sechsjährige die kurz darauf in einem dahinrasenden Auto versinkt. Landschaften ziehen an ihr vorbei, aufsteigende Nebel halten den Traum.
Die Großeltern sitzen mit im Wagen. Mit tieftraurigen Blicken schauen sie das Mädchen an. Ihre Gesichter verschmelzen mit den vorüberfliegenden, verzerrten Bildern der Landschaften. Das Kind fühlt Angst in sich aufsteigen.
Versteckt hinter schützenden Tränenschleiern träumt es weiter.
Stunden später führt es sein Traum in ein großes Backsteingebäude. Efeu rankt an den Mauern. Das Mädchen zupft ein Blatt, hält es wie einen Schatz in seinen Händen und sich daran fest. Das Dunkelrot des Hauses gibt verwunschene Gänge preis. Turmhoch verheißen sie ihm nichts Gutes. Verloren läuft es den anderen hinterher. Furchteinflößend erscheint ihm seine Traumwelt, unheimlich und teilnahmslos die sich darin bewegenden Personen. Von blassem Weiß ist ihre Kleidung, gedämpft ihre Stimmen, langsam ihr Gang. Unzählige Türen verwirren das Kind. Menschen verschwinden dahinter in unbekannte Welten, leise fallen Schlösser zu. Das Mädchen sieht in der Ferne seine Anverwandten mit einer weiß gewandeten Gestalt flüstern. Es bleibt zurück, bereit die Welten hinter den Türen zu ergründen.
Nur so kann es weiterträumen.
Zaghaft umfaßt seine Hand eine Klinke hoch über sich. Knarrend öffnet sich die Tür. Mit vorsichtigen Schritten betritt das Mädchen den Raum. Kälte umströmt es in der neuen Welt. Fröstelnd schlingt das Mädchen die Arme um seinen kleinen Körper. Karg und grau erscheint ihm der Raum. Dämmriges Licht dringt durch ein Fenster. Schüchtern schaut es sich um, erblickt Tisch und Stuhl. Als hätte jemand fluchtartig diesen Ort verlassen, steht der Stuhl verkantet im Raum. Geschwächt von der Kälte in seinen Gliedern, wagt es das Mädchen nicht, sich zu setzen.
Es schaut nach links. Was es wahrnimmt, läßt seinen Atem stocken. Übereinander aufgebahrt liegen drei Körper, bedeckt mit Tüchern. Lediglich Haare und Füße lugen unter dem Stoff hervor. Am den großen Zehen hängen Pappschilder. Das kleine Mädchen kann nicht lesen was darauf steht. Kaltes Schaudern ergreift das Kind. Seine Traumreise wird zum Albtraum.
Es will weiter träumen.
Vor Kälte zitternd, ergreift es mit letzter Kraft den Zipfel eines Lakens.
Angst und Neugier lassen es furchtsam das Tuch zurück ziehen. Was das Kind sieht, läßt Traum und Wirklichkeit eins werden. Ungläubig blickt das Mädchen ins Antlitz seiner Mutter. Sie schläft, denkt es und schaut in ihr friedvolles Gesicht. Das Kind sucht nach Worten, um die Mutter sanft zu wecken. ‚Steh’ auf, komm mit mir’, will es sagen, als eine Hand es fest an der Schulter faßt und gewaltsam aus dem Raum zerrt.
Es will weiter träumen.
Die Fee kehrt zurück, schaut das Mädchen mit dem Gesicht der Mutter an. Ihre Stimme sagt: ‚Laß mich gehen und ich komm zurück’. Das Mädchen kann nicht begreifen. Erstarrt steht es im hohen Flur. Die Fee greift seine Hand, so gern würde es mit ihr gehen. Die Stimme des Vaters dringt tiefer. ‚Sie ist tot. Sie wird nicht zurück kommen.’ Heimlich entschwindet die Fee. Vergeblich versucht das Mädchen, sie aufzuhalten.
Es will weiter träumen.
Schwarzgrau rasen die Landschaften im Wagen an ihm vorbei. Das Mädchen sieht einen Schmetterling aus einer Puppe schlüpfen, folgt seinem kraftvollen Flügelschlag.
Stundenlang sitzt es später vor der Sanduhr der Großeltern, dreht sie wieder und wieder und beobachtet starren Blickes das Rinnen der Körner durch die Zeit.
Jahre noch sucht die Fee mit dem Antlitz der Mutter das Mädchen in seinen Träumen heim und gemeinsam durchleben sie diesen einen Tag, der alles zurück bringt.