Beflügelnde Überwachung

Wenig später hörte sie einen Aufschrei. S. drehte sich um, erfuhr von aus bestürzten Gesichtern stammelnden Mündern, G. sei eben gesprungen, vom Balkon des vierten Stocks, ohne ein Wort, einfach so.
Fassungslos und unendlich traurig verließ S. fluchtartig die Party, lief, unbewußt und ganz in Gedanken, zur nächsten. ‚Das ist nicht wahr’, dachte sie hastig laufend und betrat eine festlich geschmückte Dachterrasse. Vergessen wollte sie, was ihr so surreal erschien und nicht wirklich passiert sein konnte. Die Feiernden waren bester Laune, sie stürzte sich ins Getümmel und traf unerwartet auf mich. Einige Tage vorher hatten wir uns getroffen, ausgiebig geredet. So hielten wir nur einen Partyplausch; S. schlug ein gemeinsames Ausgehen vor und mischte sich unter die Gäste. Wieder ein Aufschrei. S. wendete sich um - und sah mich noch über das Geländer der Terrasse fallen.
Bewegungslos, unfähig noch einmal wegzulaufen, blieb sie stehen, versteinert.
Kurz darauf traf die Polizei ein. Die Beamten wußten bereits vom Geschehen auf der vorherigen Party, machten S. schnell als Freundin beider Opfer aus. Hart wurde sie befragt, Anschuldigungen standen im Raum. War sie es, so die Vermutung der Polizei, die beide in den Tod gestoßen hatte? S. war außer sich. Zwei ihrer besten Freundinnen hatte sie verloren, sei jetzt ganz allein, teilt sie den Fragenden mit. Warum hätte sie das tun sollen?
Und in diesem Moment wacht S. tränenüberströmt und schweißgebadet auf.
Es war ein Traum, ein Albtraum…
Mir bescherte er einen Schutzengel.