Arbeitsagentur – Erfahrungsbericht einer angehenden Terroristin (III)
Am nächsten Tag rufe ich die auf dem Einladungsschreiben in Briefkopf und Fußzeile gedruckte Nummer an. Eine direkte Nummer, Festnetz, ein zuständiger Mensch am Telefon – ein Lichtblick? Denkste. ‚Kein Anschluß unter dieser Nummer’ blaht es mir ins Ohr. Verwählt, denke ich. Die nächsten Versuche enden mit dem gleichen Ergebnis.
Mein Puls rast, mein Blutdruck steigt und mir erklärt sich schlag(anfall)artig, warum viele Arbeitslose dem Markt krankheitsbedingt nicht mehr zur Verfügung stehen.
Also wieder die Hotline. Vom Handy, denn das klappt ja schnell. Einer namenlosen Frau am anderen Ende der Leitung schildere ich frustriert das Telefonproblem.
Sie: „Zu den Sprechzeiten der Agentur sind die Telefone nicht im System und deshalb kriegen sie diese Ansage.“ Ich: „Kann man das nicht anders lösen?“ Sie: „Da kann ich nichts machen.“
Bezüglich des Termins könne sie mir auch nicht weiter helfen. Ich solle doch einfach meine Unterlagen am Infostand abgeben.
Ich lege auf und denke über die Bauanleitung für Molotow-Cocktails nach.
Mir fällt ein, dass ich nicht weiß, wieviel ein Gespräch vom Handtelefon zu einer 01801-Nummer kostet. Schließlich will ich ja wegen der Unfähigkeit der Arbeitsagentur nicht verarmen. Mein Mobilfunk-Provider kann mir dazu keine Auskunft geben und schätzt Pi mal Daumen gegen Ostwind 46 Cent pro Minute.
Ich verschiebe die Ohnmacht auf später.
Eine Internetrecherche offenbart, dass es 50 Cent pro Minute sind.
Ich erleide einen kurzen Black-Out. Nein, die machen mich nicht irre, die nicht! Weiter also. Ich finde eine Website, die darüber informiert, dass fast alle 0180er Nummern in ein reguläres Festnetz-Telefonsystem gespeist werden und dass diesen 0180er Nummern demzufolge auch eine Festnetznummer zuzuordnen ist (www.tk-anbieter.de/0180). Eine Liste erscheint und tatsächlich steht dort die normale Festnetznummer der Arbeitsagentur.
Bewusste Abzocke Mittelloser denke ich und memoriere die Anzahl leerer Weinflaschen und den Standort des Benzinkanisters in heimatlichen Gefilden.
Ich will jetzt endlich einen Termin und rufe vom Handy aus die Festnetznummer an. Es funktioniert. Die freundliche Stimme einer jungen Frau, die mir sogar ihren Namen verrät, empfängt mich. Ich erzähle von meinen Terminschlamassel und der Auskunft, die mir die Dame beim letzten Hotline-Anruf gab, die Unterlagen doch einfach am Infostand abzugeben.
Sie: „Sind die doof! Sie müssen zum Arbeitsberater. Ich kann Ihnen keinen Termin geben. Der Termin, den sie bekommen haben bezieht sich auf den letztmöglichen Tag der Abgabe ihrer Unterlagen. Ich verstehe, dass es für sie natürlich wichtig ist, die Unterlagen weit vorher einzureichen, zumal sie ja alles beisammen haben.“ Ich: „Von Arbeitsberater stand da nichts. Das ist ein Standardbrief.“ Sie: „Lesen sie mal vor.“ Ich lese vor. Sie: „Sind die doof (Davon scheint sie zu Recht sehr überzeugt zu sein. Anm. d. Verf.). Gehen sie einfach rechtzeitig hin und bestehen sie darauf, vorgelassen zu werden.“ Ich: „Werde ich tun. Und sagen sie, wie kann das sein, dass ich ein ‚kein Anschluß unter dieser Nummer’ höre, wenn ich die auf dem Briefkopf angegebene direkte Nummer wähle?“ Sie: „Was? Das kann nicht sein.“ Ich: „Doch, das ist so. Könnte man nicht wenigstens ein Band schalten, das die telefonischen Sprechzeiten in den Äther speit?“ Sie: „Sollte man. Ich glaube das alles nicht. Was machen die nur! Sind die doof! (Zum dritten Mal. Anm. d. Verf. ) Ich leite das weiter, auch, dass sie dringend einen früheren Termin brauchen. Das schreibe ich denen in den Computer.“ Ich: „Vielleicht sollte ich eine Glosse schreiben. Überschrift ‚Die Arbeitsagentur als größter Bremsklotz der Nation’.“ Sie: „Machen sie das. Den Titel finde ich gut. Einer muss anfangen, sonst ändert sich nie was.“
Ich lege auf. Nett geschwätzt und wieder nichts erreicht. Nichts, nichts, nichts. Hätte ich all das meinem Herzchen von Friseur erzählt, wäre mir neben unendlicher Empathie auch noch ein Haarschnitt sicher gewesen. Leistung für’s Geld also. Ich will in meinen Bastelkeller und muss aufpassen, dass die Bauanleitung für Mollies nicht im umfassenden Infopaket zum Kundenmanagement landet. Ein solches der Agentur zu schicken, fühle ich mich inzwischen verpflichtet. Schließlich müllen die mich ja auch mit sinnlosen Formularen zu.
Eine Woche später habe ich noch immer keinen Termin beim Arbeitsberater. Und ich erwarte auch keinen mehr.
Ich beschließe friedliche Maßnahmen und plane ein Sit-in. Der beste Tag dafür scheint der Freitag zu sein – denn Freitag ab eins macht jeder seins (im öffentlichen Dienst sowieso) und so kann ich das erholsame Wochenende der Mitarbeiter nach einer Woche nur von Kunden gestörten Büroschlafs am effizientesten gefährden.
- Fortsetzung folgt –
Mein Puls rast, mein Blutdruck steigt und mir erklärt sich schlag(anfall)artig, warum viele Arbeitslose dem Markt krankheitsbedingt nicht mehr zur Verfügung stehen.
Also wieder die Hotline. Vom Handy, denn das klappt ja schnell. Einer namenlosen Frau am anderen Ende der Leitung schildere ich frustriert das Telefonproblem.
Sie: „Zu den Sprechzeiten der Agentur sind die Telefone nicht im System und deshalb kriegen sie diese Ansage.“ Ich: „Kann man das nicht anders lösen?“ Sie: „Da kann ich nichts machen.“
Bezüglich des Termins könne sie mir auch nicht weiter helfen. Ich solle doch einfach meine Unterlagen am Infostand abgeben.
Ich lege auf und denke über die Bauanleitung für Molotow-Cocktails nach.
Mir fällt ein, dass ich nicht weiß, wieviel ein Gespräch vom Handtelefon zu einer 01801-Nummer kostet. Schließlich will ich ja wegen der Unfähigkeit der Arbeitsagentur nicht verarmen. Mein Mobilfunk-Provider kann mir dazu keine Auskunft geben und schätzt Pi mal Daumen gegen Ostwind 46 Cent pro Minute.
Ich verschiebe die Ohnmacht auf später.
Eine Internetrecherche offenbart, dass es 50 Cent pro Minute sind.
Ich erleide einen kurzen Black-Out. Nein, die machen mich nicht irre, die nicht! Weiter also. Ich finde eine Website, die darüber informiert, dass fast alle 0180er Nummern in ein reguläres Festnetz-Telefonsystem gespeist werden und dass diesen 0180er Nummern demzufolge auch eine Festnetznummer zuzuordnen ist (www.tk-anbieter.de/0180). Eine Liste erscheint und tatsächlich steht dort die normale Festnetznummer der Arbeitsagentur.
Bewusste Abzocke Mittelloser denke ich und memoriere die Anzahl leerer Weinflaschen und den Standort des Benzinkanisters in heimatlichen Gefilden.
Ich will jetzt endlich einen Termin und rufe vom Handy aus die Festnetznummer an. Es funktioniert. Die freundliche Stimme einer jungen Frau, die mir sogar ihren Namen verrät, empfängt mich. Ich erzähle von meinen Terminschlamassel und der Auskunft, die mir die Dame beim letzten Hotline-Anruf gab, die Unterlagen doch einfach am Infostand abzugeben.
Sie: „Sind die doof! Sie müssen zum Arbeitsberater. Ich kann Ihnen keinen Termin geben. Der Termin, den sie bekommen haben bezieht sich auf den letztmöglichen Tag der Abgabe ihrer Unterlagen. Ich verstehe, dass es für sie natürlich wichtig ist, die Unterlagen weit vorher einzureichen, zumal sie ja alles beisammen haben.“ Ich: „Von Arbeitsberater stand da nichts. Das ist ein Standardbrief.“ Sie: „Lesen sie mal vor.“ Ich lese vor. Sie: „Sind die doof (Davon scheint sie zu Recht sehr überzeugt zu sein. Anm. d. Verf.). Gehen sie einfach rechtzeitig hin und bestehen sie darauf, vorgelassen zu werden.“ Ich: „Werde ich tun. Und sagen sie, wie kann das sein, dass ich ein ‚kein Anschluß unter dieser Nummer’ höre, wenn ich die auf dem Briefkopf angegebene direkte Nummer wähle?“ Sie: „Was? Das kann nicht sein.“ Ich: „Doch, das ist so. Könnte man nicht wenigstens ein Band schalten, das die telefonischen Sprechzeiten in den Äther speit?“ Sie: „Sollte man. Ich glaube das alles nicht. Was machen die nur! Sind die doof! (Zum dritten Mal. Anm. d. Verf. ) Ich leite das weiter, auch, dass sie dringend einen früheren Termin brauchen. Das schreibe ich denen in den Computer.“ Ich: „Vielleicht sollte ich eine Glosse schreiben. Überschrift ‚Die Arbeitsagentur als größter Bremsklotz der Nation’.“ Sie: „Machen sie das. Den Titel finde ich gut. Einer muss anfangen, sonst ändert sich nie was.“
Ich lege auf. Nett geschwätzt und wieder nichts erreicht. Nichts, nichts, nichts. Hätte ich all das meinem Herzchen von Friseur erzählt, wäre mir neben unendlicher Empathie auch noch ein Haarschnitt sicher gewesen. Leistung für’s Geld also. Ich will in meinen Bastelkeller und muss aufpassen, dass die Bauanleitung für Mollies nicht im umfassenden Infopaket zum Kundenmanagement landet. Ein solches der Agentur zu schicken, fühle ich mich inzwischen verpflichtet. Schließlich müllen die mich ja auch mit sinnlosen Formularen zu.
Eine Woche später habe ich noch immer keinen Termin beim Arbeitsberater. Und ich erwarte auch keinen mehr.
Ich beschließe friedliche Maßnahmen und plane ein Sit-in. Der beste Tag dafür scheint der Freitag zu sein – denn Freitag ab eins macht jeder seins (im öffentlichen Dienst sowieso) und so kann ich das erholsame Wochenende der Mitarbeiter nach einer Woche nur von Kunden gestörten Büroschlafs am effizientesten gefährden.
- Fortsetzung folgt –