Arbeitsagentur – Erfahrungsbericht einer angehenden Terroristin V
Am nächsten Tag schon trifft die Bestätigung für den Abschluss der freiwilligen Arbeitslosengeldversicherung ein – gezeichnet von Klein-Napoleon. Er hat sich im Arbeitstempo selbst überholt und wollte wohl mit einer unverhältnismäßig schnellen Segnung des Vertrages sicher stellen, dass er mich nie wieder sieht.
Das ist ihm gelungen. Wenigstens dieser Punkt ist für mich nun erledigt.
Eine Woche später schreibt mir die Arbeitsagentur, dass ich, da ich eine Urlaubsabgeltung erhalte, in dieser Zeit keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld habe. Hallo Amt, geht’s noch? Ich will gar kein Arbeitslosengeld. Ich habe die Änderungsmitteilung gleich mit dem Antrag zur Arbeitslosmeldung abgegeben und darin steht, dass und ab wann ich mich selbständig mache. Ich sage nur: Schreibtische aufräumen! Unter den Krümeln diverser Frühstücksbrote liegt meine Mitteilung. Wetten?
Das Amt bemängelt auch, keine weiteren Ausführungen meinerseits vorliegen zu haben, die die Gründe für eine Eigenkündigung darlegen. Das ausgefüllte Formular dazu, inklusive weiterer Erläuterungen im Anhang, lag der fachkundigen Frau Schmidt vor, die mir kund tat, das brauche sie nicht, da ich mich ja selbständig mache.
Und natürlich ist für eine unkomplizierte Klärung kein Weg offen, da als Rückrufnummer wieder nur die Hotline angegeben ist und eine Email-Adresse, die auf Team yyy lautet.
Ich stelle mir einen Praktikanten am Computer vor, der dem Chaos im Posteingangsordner des Teams yyy Herr zu werden versucht und mal eben, aus Scham etwas falsch zu machen, Unzuordenbares löscht. Merkt ja niemand.
Trotzdem schreibe ich eine Email, erkläre den Sachverhalt und hänge die Erläuterungen an. Priorität hoch und mit angeforderter Lesebestätigung. Meine Zeilen verrauchen im Datennirvana der Anstalt.
Wieder einen Tag später fällt mir aus dem Briefkasten ein großer, dicker Umschlag entgegen. Absender Arbeitsagentur.
Ich überlege, vor dem Öffnen prophylaktisch den Notarzt zu rufen.
Der Umschlag enthält meinen kompletten Antrag auf Gründungszuschuss mit dem lapidaren Schreiben: ‚Sehr geehrte Frau zzz, anbei erhalten Sie o. g. Antrag zurück. Bitte legen sie dem Antrag eine entsprechende Anmeldung beim Finanzamt bei. Mit freundlichen Grüßen. Im Auftrag’ – Stempel der Anstalt, unleserliche Unterschrift, kein Name im Briefkopf, Telefon: Hotline.
Mir rattert die Liste waffenfähigen Materials in meinem Haushalt durch den Kopf.
Dann analysiere ich, was ich da gerade sehe. Der Antrag ist komplett zurück, geschickt worden, ergo nicht angenommen? Man hätte mir ja einfach mitteilen können, was ich nachreichen soll. Heißt nicht angenommen, die Zeit läuft gegen mich und das Amt versucht, mich dazu zu bringen, die Frist zu verschlampen und so Geld zu sparen? Geld, das mir aus einem Rechtsanspruch zusteht!?
Und um den Irrsinn komplett zu machen: ich habe die Kopie des Antrages vor mir liegen, auf der unter dem Stempel der Agentur steht ‚Antrag vollständig’. Geschrieben und unterzeichnet von der Mitarbeiterin des Jahres 2008 – Frau Schmidt.
‚Kunden’ der Agentur werden unter einer Stammnummer geführt, die sich, wie ich inzwischen weiß, nur in bestimmten Buchstabenzusätzen je nach zu bearbeitender Sache unterscheidet. Hatte ich nicht gerade meinen Antrag auf freiwillige Arbeitslosengeldversicherung abgegeben und hatte Klein-Napoleon nicht das Schreiben des Finanzamtes mit der Steuernummer für meine selbständige Tätigkeit kopiert?
Werden in dieser Behörde die Kopien nach Recyclinggrad des Papiers sortiert? Archiviert das Amt die Daten seiner Kunden nach den Menstruationskalendern der weiblichen Angestellten oder den Autowaschzyklen der männlichen Mitarbeiter? Und ja, ich lege an dieser Stelle gern fünf Euronen in die Chauvi-Kasse!
Auge um Auge, Zahn um Zahn – und meine werden es nicht sein!
Mir steht also ein erneuter Großkampftag in der Behörde bevor. Nix Hotline, nix Email, nix Post. Persönlich werde ich den Angestellten, nun bevorzugterweise einem Vorgesetzten, notwendige Synapsenschlüsse erklären (müssen).
Und apropos Post. Der große Umschlag war mit 1,45 Euro frankiert. Hallo Mitarbeiter der Agentur: das geht billiger! Eine Mail hätte es auch getan und was euch fehlt (an Unterlagen meine ich - für den Rest bin ich nicht verantwortlich), hätte ich gern auf selbigem Wege zur Verfügung gestellt. Das Geld, das ihr fürs Porto ausgebt, ist auch das Geld aus den Steuern eurer Kunden, die sie gezahlt haben, bevor ihr wohl viele von ihnen gezwungen habt, ein ihnen unangenehmes Verhältnis mit euch länger als notwendig aufrecht zu erhalten, nur weil euch ohne sie langweilig wäre, oder viel schlimmer, ihr selbst zu ‚Kunden’ werden könntet. Schon allein die Vorstellung dessen muss für euch der blanke Horror sein, seht ihr doch täglich, wie viele Arbeitswillige an eurem Chaos scheitern.
Ich bin willens, dem Goliath direkt vor einer tiefen Drecklache ein Bein zu stellen, gleich morgen.
- Fortsetzung folgt -
Das ist ihm gelungen. Wenigstens dieser Punkt ist für mich nun erledigt.
Eine Woche später schreibt mir die Arbeitsagentur, dass ich, da ich eine Urlaubsabgeltung erhalte, in dieser Zeit keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld habe. Hallo Amt, geht’s noch? Ich will gar kein Arbeitslosengeld. Ich habe die Änderungsmitteilung gleich mit dem Antrag zur Arbeitslosmeldung abgegeben und darin steht, dass und ab wann ich mich selbständig mache. Ich sage nur: Schreibtische aufräumen! Unter den Krümeln diverser Frühstücksbrote liegt meine Mitteilung. Wetten?
Das Amt bemängelt auch, keine weiteren Ausführungen meinerseits vorliegen zu haben, die die Gründe für eine Eigenkündigung darlegen. Das ausgefüllte Formular dazu, inklusive weiterer Erläuterungen im Anhang, lag der fachkundigen Frau Schmidt vor, die mir kund tat, das brauche sie nicht, da ich mich ja selbständig mache.
Und natürlich ist für eine unkomplizierte Klärung kein Weg offen, da als Rückrufnummer wieder nur die Hotline angegeben ist und eine Email-Adresse, die auf Team yyy lautet.
Ich stelle mir einen Praktikanten am Computer vor, der dem Chaos im Posteingangsordner des Teams yyy Herr zu werden versucht und mal eben, aus Scham etwas falsch zu machen, Unzuordenbares löscht. Merkt ja niemand.
Trotzdem schreibe ich eine Email, erkläre den Sachverhalt und hänge die Erläuterungen an. Priorität hoch und mit angeforderter Lesebestätigung. Meine Zeilen verrauchen im Datennirvana der Anstalt.
Wieder einen Tag später fällt mir aus dem Briefkasten ein großer, dicker Umschlag entgegen. Absender Arbeitsagentur.
Ich überlege, vor dem Öffnen prophylaktisch den Notarzt zu rufen.
Der Umschlag enthält meinen kompletten Antrag auf Gründungszuschuss mit dem lapidaren Schreiben: ‚Sehr geehrte Frau zzz, anbei erhalten Sie o. g. Antrag zurück. Bitte legen sie dem Antrag eine entsprechende Anmeldung beim Finanzamt bei. Mit freundlichen Grüßen. Im Auftrag’ – Stempel der Anstalt, unleserliche Unterschrift, kein Name im Briefkopf, Telefon: Hotline.
Mir rattert die Liste waffenfähigen Materials in meinem Haushalt durch den Kopf.
Dann analysiere ich, was ich da gerade sehe. Der Antrag ist komplett zurück, geschickt worden, ergo nicht angenommen? Man hätte mir ja einfach mitteilen können, was ich nachreichen soll. Heißt nicht angenommen, die Zeit läuft gegen mich und das Amt versucht, mich dazu zu bringen, die Frist zu verschlampen und so Geld zu sparen? Geld, das mir aus einem Rechtsanspruch zusteht!?
Und um den Irrsinn komplett zu machen: ich habe die Kopie des Antrages vor mir liegen, auf der unter dem Stempel der Agentur steht ‚Antrag vollständig’. Geschrieben und unterzeichnet von der Mitarbeiterin des Jahres 2008 – Frau Schmidt.
‚Kunden’ der Agentur werden unter einer Stammnummer geführt, die sich, wie ich inzwischen weiß, nur in bestimmten Buchstabenzusätzen je nach zu bearbeitender Sache unterscheidet. Hatte ich nicht gerade meinen Antrag auf freiwillige Arbeitslosengeldversicherung abgegeben und hatte Klein-Napoleon nicht das Schreiben des Finanzamtes mit der Steuernummer für meine selbständige Tätigkeit kopiert?
Werden in dieser Behörde die Kopien nach Recyclinggrad des Papiers sortiert? Archiviert das Amt die Daten seiner Kunden nach den Menstruationskalendern der weiblichen Angestellten oder den Autowaschzyklen der männlichen Mitarbeiter? Und ja, ich lege an dieser Stelle gern fünf Euronen in die Chauvi-Kasse!
Auge um Auge, Zahn um Zahn – und meine werden es nicht sein!
Mir steht also ein erneuter Großkampftag in der Behörde bevor. Nix Hotline, nix Email, nix Post. Persönlich werde ich den Angestellten, nun bevorzugterweise einem Vorgesetzten, notwendige Synapsenschlüsse erklären (müssen).
Und apropos Post. Der große Umschlag war mit 1,45 Euro frankiert. Hallo Mitarbeiter der Agentur: das geht billiger! Eine Mail hätte es auch getan und was euch fehlt (an Unterlagen meine ich - für den Rest bin ich nicht verantwortlich), hätte ich gern auf selbigem Wege zur Verfügung gestellt. Das Geld, das ihr fürs Porto ausgebt, ist auch das Geld aus den Steuern eurer Kunden, die sie gezahlt haben, bevor ihr wohl viele von ihnen gezwungen habt, ein ihnen unangenehmes Verhältnis mit euch länger als notwendig aufrecht zu erhalten, nur weil euch ohne sie langweilig wäre, oder viel schlimmer, ihr selbst zu ‚Kunden’ werden könntet. Schon allein die Vorstellung dessen muss für euch der blanke Horror sein, seht ihr doch täglich, wie viele Arbeitswillige an eurem Chaos scheitern.
Ich bin willens, dem Goliath direkt vor einer tiefen Drecklache ein Bein zu stellen, gleich morgen.
- Fortsetzung folgt -