ernüchternde erleuchtung

denn wenn zigtausende briten und spanier nichts drehendes zu kaufen bekämen, müssten sie wohl in die restaurants und dort teuer für ihr bier bezahlen. so teuer, dass es nicht bis zur sturztrunkenheit reicht – so oder ähnlich wohl die intention der herren im rathaus.
praktisch sah das gestern so aus: die geneigte touristin mochte den abend mit einem bier auf der blumenumrankten dachterrasse ihres hotels ausklingen lassen und begab sich selbiges zu kaufen. auf dem großen kühlschrank des kleinen imbisses klebte ein handgeschriebener zettel. der verkündete ein alkoholverkaufsverbot bis zum morgen nach dem spiel und der chef war gewillt, sich daran zu halten. aber bekanntlich führen viele wege nach rom und siehe da, ein paar gässchen weiter nahm es ein weinhändler nicht so genau. sonst hätte er seine butze gestern auch zusperren können. als die touristin kurz gemustert und für fußballfrei befunden wurde, steckte er ihr schnell das bier in die tasche, kassierte und sie schwor, nie diesen laden betreten zu haben.
heute dachte sich die touristin: ab in den supermarkt und den lauschigen abend auf der terrasse nicht vertrocknen lassen. aber auch dort war ebbe – kein tröpfchen alkohol lief übers kassenband.
dann eben ein abendessen mit wein auf der piazza um die ecke.
doch dort hatte die trostlosigkeit ihren höhepunkt bereits erreicht, als die touristin gegen neun uhr abends aus der gasse auf den platz bog. die restaurants waren leer, zwei hatten gar nicht erst aufgeschlossen. auf den wenigen besetzten tischen prankten wasserflaschen in preußisch-blau. promille-dürre im land des weines. bacchus dreht sich im grabe um, die römer reißen witze.
die die stadt flutenden fußballfans hatten sich ihre notwendige grunddröhnung wohl mitgebracht. krawalle gab es gestern schon und das spiel ist noch nicht vorbei.