Past Revisited

Begraben liegen 17 Jahre meines Lebens in der Kleinstadt in Brandenburg. 17 Jahre, die mir bei oberflächlicher Betrachtung nichts mehr bedeuten, die Mühsal, Tortur, Leiden waren. Was ich bin, suggeriert mir mein Ego, wurde ich nach dem Verlassen der sandigen Einöde.
Es gibt keine Verbindungen mehr, nichts zieht mich in dieses Kaff, das vom Bergbau halbiert wurde, dessen einer Teil in die Grube fiel, dessen Trostlosigkeit ich schon sehr jung nicht mehr ertragen konnte.
Doch es gibt Tage, die meine Anwesenheit dort zu erzwingen scheinen.
Der Wagen reißt die Kilometer herunter. Mit dem Nahen des Ortes sollte ich ein Gefühl von Heimat entwickeln. Mir ist kalt.
Eine Tür öffnet sich, die Familie verheißen sollte. Der Vater grüßt mit Abstand. Rosarote Pantoffeln fallen mir vor die Füße, getragen einst von mir, mehr als zwanzig Jahre dauerhafter Abwesenheit drohen im rosaroten Flausch. Ich ziehe sie an, werde zum Kind, das ich nie war, nie habe sein können.
Wir besteigen gemeinsam das Auto, befahren Straßen, die ich erinnern müßte, kreuzen Stätten meiner frühen Jugend. Bilder verschwimmen. Nichts ist mehr wie es mir die Erinnerung eingebrannt hat. Straßenverläufe, geändert durch vorgebliche Notwendigkeiten des Bergbaus, irritieren mich. Der einst stabile Mikrokosmos wird zum Abenteuerspielplatz. Welten verschieben sich unbeeinflußbar.
Was wäre wenn – ich geblieben wäre, den Ort nicht verlassen hätte, den Verlockungen der Großstadt, dem Winken eines vermeintlich besseren Lebens nicht gefolgt wäre. Würde ich mehr, mich, besser kennen? Wären mir veränderte Straßenfluchten vertrauter, neue Gebäude weniger fremd?
Würde ich weniger mäkeln am Essen lokaler Gastronomen, die meinen, mich mit mikrowellengewärmten Saucen und totgegartem Fisch befriedigen zu können? Ist es der Hochmut der an der Großstadt Gewachsenen, der vernichtende Urteile fällt?
Was wäre wenn – ich geblieben wäre, hier tätig wäre? Hätte ich eine Wohnung mit Schrankwand, einen Kleingarten – wäre ich glücklich(er)?
Auf der Rückfahrt in die große Stadt schaue ich auf meine Hände. Ich sehe die Finger meiner Großmutter, die meinen gleichen, und sicher das Messer unter die Schalen der Kartoffeln gleiten lassen.
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