Sentimentales

Prognosen

Es würde mit Sicherheit wieder regnen unternähmen sie solch einen Ausflug noch einmal, prophezeite Freund T..
Völlig erschöpft und durchweicht waren die K. und der T. erst kürzlich von einer längeren Reise durch nicht sonnensichere Gebiete zurück gekehrt. Deshalb beschlossen die beiden, von nun an auf vage Entdeckungen zu verzichten und ihre gemeinsamen Unternehmungen anders zu gestalten. Sie freuten sich auf kleine Ausflüge in die Peripherie ihres erweiterbaren Mikrokosmos und auf neue Begegnungen in der Nachbarschaft. So würde nichts ihr Erleben beeinträchtigen oder gefährden können.
Doch das heimatliche Klima machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Ein Tiefdruckgebiet setzte sich fest und wollte und wollte nicht weichen. Der T. beugte sich schließlich dem Wetter. Er könne Regen und Sturm weder vertreiben noch aushalten und wolle mit der K. darob fürderhin versteckte Orte bereisen wollen. Nur solcherwegs könne er selbst der Großwetterlage trotzen. Die K. ist enttäuscht vom plötzlichen Sinneswandel des einst so willensstarken und abenteuerlustigen Gefährten.
Ihr gemeinsames Erleben mit dem T. auf Schmalspurgleisen? Hatte er nicht einst postuliert, eine solch tiefgreifende Veränderung ihrer gemeinsamen Reisegewohnheiten würde auch ihn schmerzen?
Die Großwetterlage schlug jetzt auch ihr aufs Gemüt. Sie sah sich nicht mehr in der Lage, selbst kleinste Exkursionen vorzuschlagen und wartete vergeblich auf neue Offerten des T.. Folglich sitzt sie regungslos, vermisst den Austausch über mit dem T. bestandene Abenteuer, wägt ihre Reisemöglichkeiten und kann sich nicht entscheiden, ob sie lieber daheim bleiben oder schmale Grate mit dem T. wandern soll.

During A Very Sappy Saturday Night

Metamorphosen

Da stand er nun. Ratlos. Seine blühende Pflanze im Arm. Und er wusste nicht, wo sie fortan wohnen sollte. In den Garten mochte er sie nicht stellen. Aus Angst vor den Fragen der Nachbarn. Aus Furcht, ihre Herkunft preisgeben zu müssen. Der Duft ihrer Blüten zog in sein Haus. Er trug sie hinein.
Schon seit Jahren stand dort ein Gewächs auf seiner Fensterbank, das er nur mit großen Mühen immer wieder zum Blühen hatte bringen können. Dieses Gewächs schaute ihn nun traurig an und stieß mit letzter Kraft Lockstoffe aus seinen zerbrechlichen Blütenständen. Der ihm neuen Duftmelange fühlte er sich wehrlos ausgesetzt. Konnte er die blühende Pflanze dem um seine Aufmerksamkeit buhlenden Gewächs zumuten? Durften sie sich die Fensterbank teilen? Würde er es schaffen, beiden die ihrer Art entsprechende Pflege angedeihen zu lassen?
Das altvertraute Gewächs hatte ihn auch bei Wassermangel und fehlender Aufmerksamkeit nur zeitweise mit welkem Laub und trockenen Knospen gestraft. Die neue Pflanze trug er wegen ihrer aufregenden Blüten ins Haus. Sie sollte ihm Anker sein in wilden Träumen und er mochte es, sich im Glanz ihrer Blüten zu spiegeln.
Er wurde klein unter der Last seines Gewissenskonflikts. Im Antlitz sich grimmig wölbender Blätter des ihm treuen Gewächses konnte er nicht anders, als der neuen Pflanze einen Platz in einem entlegenen Winkel des Hauses zuzuweisen.
Er ertrug es nicht, dass ihn ihre immer frischen Blüten locken würden und er dem redlichen Gewächs nicht mehr unschuldig Nahrung und Dünger würde reichen können.
So zwang er sich zu vergessen, dass die Pflanze dort stand. Stetig sich verbissen kräuselnde Blätter des altgedienten Gewächses vor Augen, verbot er sich, ihren Duft zu genießen, sie zu wässern.
Aber er vermochte es auch nicht, sie außerhalb des Hauses, weit genug entfernt von den grundlos eifersüchtigen Blicken seines geliebten Altgewächses im Garten wuchern zu lassen.
Die neue Pflanze konnte sich nicht in ihr ungewolltes Schicksal fügen.
Sie erstrebte neues Leben – draußen, im Garten. Und so schickte sie ihre Samen mit einem unerwartet aufkommenden Luftzug ins Freie.
Friedlich nahm sie danach ihre verschmähten Blüten und Blätter ganz nah zu sich und fiel in eine Starre, aus der sie auch ihr wehmütig unentschlossener Gärtner nicht erwecken konnte.

Haiku XI

wild gelebte lust
träume hängen in seilen
unfreies schwingen

Valentine's

Valentines

kissenreminiszenzen

flusen im kopf
hirn in den lenden

Down

Down

Déjà-vu

D-j-vu
Ins Offene. Räume waren zu klein, Schönheit und Atmosphäre zu eben für rissige Gedankenberge. Hässlichkeit und Aversion sollten Abstand schaffen, dem vollzogenen Bruch eine andere Welt zuweisen. Die ungewisse Zukunft durfte nicht dort beginnen wo ihr Erinnerung Kraft entziehen würde. Stunde um Stunde nahmen Worte durchstreiften Straßenzügen das Gesicht. Bruchstückhaft fraßen sich Träume in Fassaden – und blieben Fragmente. Sehnsüchte liefen ihrer Zeit davon.
Der Zufall zwingt Füße taggenau neun Monate später auf den gleichen Weg. Abscheu und Tristesse bestimmen diesmal den Zweck fallender Worte. Fetzen erinnerter Sätze versinken im Novembergrau während Hände Wünsche an Wände kleben. Vergebens.

Zehn Cent Erinnerung...

10_Cent Wir mögen uns nicht. Oder besser: ich mag sie nicht. Wie es ihr damit geht, ist mir egal. Sie gibt Geräusche von sich, die meine Nerven strapazieren. Deshalb bekommt sie ihr Futter und darf es verdauen, wenn ich ihren Flatulenzen nicht lauschen muss.
Fütterung am Mittag. Ich lasse sie allein.
Bei meiner Rückkehr erwarte ich sie friedlich, doch sie kaut immer noch – mit monotonem, ewig wiederkehrendem Geschmatze und ohne Fortschritt in der Digestion.
Ich sehe und presse rot, zwinge sie, aufzuhören und entziehe ihr per Schlauch den Magensaft.
Als ihr Wiederkäuermaul aufspringt, speit es mir widerwillig seinen Inhalt entgegen: ein ihr für die Futterverwertung unerlässliches und nun geschreddertes Zähnchen und zehn Cent, fein patiniert.
Lange muss ihr die Münze hart aufgestoßen sein, um das Mahlwerkzeug so hinrichten zu können. Nachdem ich Geldstück und Zahnreste mühsam extrahiert habe, ist sie mir gram und verweigert beleidigt ihren Dienst.
Dabei habe ich sie stets mit sortenreiner Nahrung versorgt. Gefahr für ihre gesunde Verdauung bestand immer nur, wenn gedankenversunken und unsortiert von ihr bis dato unbekannten Händen zugefüttert wurde. Und mit diesem Wagnis war sie schon lange nicht mehr konfrontiert.
Ich betrachte verloren die Patina auf dem Geldstück, die samtig auch die Gedanken an Zeiten fröhlicher Herstellung von Mischfutter umhüllt.
Nur zehn Cent Erinnerung...

Einsamkeit

Einsamkeit





Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.

Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen...

Rainer Maria Rilke

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Meinungen

sie haben doch nicht...
das reisefieber und die fotolust "kurriert"? ich vermiss...
Ranunkelchen - 27. Mai, 23:14
auch von mir....
... alles gute nachträglich.
Doro (Gast) - 10. Mär, 17:13
hab lieben dank!
Paula notes - 8. Mär, 23:03
herzlichen glückwunsch!...
schneck08 - 6. Mär, 00:04
ich selbst
kanns aus 9monatiger eigener abstinenz nur empfehlen!...
ranunkelchen (Gast) - 12. Okt, 21:35
ja, sicher
und fern und scheinbar nicht erreichbar. aber für mich...
Paula notes - 6. Sep, 01:12
der nachthimmel hat's...
der nachthimmel hat's gut.
schneck08 - 5. Sep, 10:14

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Zuletzt aktualisiert: 15. Apr, 10:03