Ephemere Archaik

Kälteklirrende Bruchstücke eines sich stetig wiederholenden Naturschauspiels – ihres Ursprungs beraubt.
16000 Jahre braucht das Eis, um vom Zentrum zum Rand des Vatnajökull Gletschers zu wandern. Tosend stürzt es dann vor der Südküste Islands ins Meer und mit ihm schmilzt erstarrte Zeit in den Fluten.
Sechs Tonnen dieser eisigen Vergänglichkeit hat Olafur Eliasson nach Berlin transportieren lassen und im Schauraum der Galerie Neugerriemschneider (Linienstraße 155) zu einer auratisch wirkenden Installation vereint.
Fröstelnd durchwandert der Besucher den von einem gewaltigen Aggregat auf minus sechs Grad gekühlten Raum.
Bläulich schimmert das Eis, dunkle Einschlüsse lassen die Gewalt der Natur gewahr werden.
„your waste of time“, so der Titel der Installation, spielt auf eindringliche Weise mit der Wahrnehmung des Wechselspiels von Natur und Technik. Die Laufzeit der Präsentation schiebt den natürlichen Wandel von Struktur und Aggregatzustand auf, verhindert ein Auflösen des Konkreten in der Masse.
Mit einer einfachen und gleichzeitig kühnen Idee schafft Olafur Eliasson Sinnlichkeit wie sie direkter nicht sein kann.
Und wenn in zwei Wochen das Kühlaggregat abgeschaltet wird, wird vergehen, was an diesem Ort nie wirklich war.
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