Streiflichter
"Stellen sie sich vor, sie sitzen an einem gedeckten Tisch. Das Besteck ist ihr Programm. Wenn sie jetzt ihr Essen in den Mülleimer schieben und den gleich ausleeren, nützt ihnen ihr Besteck auch nichts mehr."
Ich habe den Müllcontainer die Festplatte einem Spezialisten überlassen, denn für's Recycling weggeworfenen Essens werde ich nicht bezahlt!
"Zwischen Tomaten und Eisbergsalat habe ich ein Netz!" - Einkaufen am Freitagabend
"Zu Curry 195 müssen wir die nächste Abfahrt 'raus." - "Die heißt wie?" - "Kudamm" - "Halensee" - "Kudamm" - "Halensee" - Stadtautobahn, 2.30 Uhr, Kudamm
"In zehn Jahren werden wir anstatt Sex zu haben nur noch gut essen."
... der Nacht ein Gesicht geben, die Last von den Schultern stoßen, den Knoten auflösen, den versteckten Weg finden, Tränen aufhalten, den schweren Kopf in einen starken Arm legen, in ein Blumenmeer tauchen ... jetzt ...
Das verfilzte Haar trägt er offen. Die Klamotten stehen vor Dreck und umhüllen löchrig seinen dünnen Leib. Ganz bestimmt riecht er nicht gut. Das Leben nimmt er nur noch durch einen Schleier wahr, seine Tage und Nächte sind einzig durch Alkoholbeschaffung und –vernichtung bestimmt.
Soll er – wir müssen uns ja nicht begegnen.
Heute morgen, kurz nach neun, war er schwer damit beschäftigt, zwei leere Bierflaschen in den Händen zu behalten, sie dorthin zu tragen, wo es volle gibt – nur kurz über die Straße. Er sah den Laden, dachte ans nächste Bier und fiel vom Bürgersteig vor mein Auto.
Zäher Verkehr in niedriger Geschwindigkeit, nagelneue Bremsen und ein volles Durchtreten des Pedals ließen ihm sein Leben.
Er ist einfach aufgestanden (sogar seine leeren Flaschen waren noch ganz) und auf die andere Straßenseite gewankt – zum nächsten Bier.
Manche Ereignisse setzen ungeahnte Energien frei. Nur sind es meist die falschen Ereignisse.
Das Hirn erbricht unentwegt Erinnerungen, weigert sich diesen Tag ungefiltert zu verinnerlichen.
... mit welcher Geschwindigkeit bewußt Ignorierende Tagwerke vernichten
... mit welcher Gelassenheit sich Ignorierte ihrem vermeintlichen Schicksal anheim geben
... wieviel Wut es braucht, den Kampf gegen die Windmühlen doch zu gewinnen

Morgens gegen zwei setzt der Automatismus des Weckerstellens die letzten 24 Stunden auf Null. Die eingegebene Uhrzeit kündigt die Spannung des folgenden Arbeitstages an. Auch morgen wieder wird Gleichförmigkeit den Tag lähmen, Umgebungsstille unbemerkte Lethargie definieren, Tatendrang vaporisieren, ein Entkommen unmöglich machen und die
Zeitschleife mich unvermeidlich in ihren Sog ziehen. Schmerzhafte Erinnerungen an einst verhaßte 16-Stunden-Tage gieren danach Realität zu werden - time for a change.
Ein Blick ins Grüne ändert nichts an der Atmosphäre einsamer Orte.
Grauer Himmel fördert Wachstumsträume und Traumwachstum.
Koffein MUSS, am Ausmaß möglicher Entzugserscheinungen gemessen, eine Droge sein.