Die Zeit ist knapp bemessen, wer steht schon gern früh auf und nur mit Handgepäck und der aus dem Internet gezottelten Bordkarte ist ja auch alles kein Problem.
Eine Rechnung, ganz offensichtlich ohne den orangenen Billiganbieter gemacht.
Die erblondete junge Frau vorm Einlass zur Sicherheitskontrolle lässt ihren Blick über meinen Koffer gleiten und spricht direkt in seine Richtung: „Den müssen sie einchecken.“ Ich entgegne: „Wenn ich den oben ein wenig eindrücke, passt der in ihr Gitter hier." Sie: „Nein, passt er nicht.“ Ich versuche es trotzdem. Mist, der kleine schwarze hat drei Höhenzentimeter zuviel, die sich partout nicht wegpressen lassen. Ich versuche es mit einer Bitte um Kulanz, hätte ich das Köfferchen doch auch bei den Orangenen schon dabei gehabt und bei anderen Airlines dürfe es doch auch, egal wie vollgefressen, immer fröhlich im Handgepäckfach über mir liegen. Nix zu machen, der Stauverursacher muss eingecheckt werden. Eine Runde unfreiwilligen Morgenlaufes und ein bisschen Drängeln später, lasse ich beim Einsteigen in den Flieger meine Äuglein über die mitgeführten Gepäckstücke der anderen Reisenden gleiten und erspähe Köfferchen, die noch wesentlich dicker sind als meines, meist im Besitz von Briten.
Entweder haben die sich den Sicherheitsbereich durch ein anderes Loch erschlossen, oder the artificial blond hatte eine launige Minute als ich um die Ecke bog, oder, oder , oder...
Bei den Briten hingegen lässt der Humor sogar den dicken Nebel vergessen. Klar ist das Köfferchen Handgepäck, wieso ich überhaupt fragen würde, ein extra Täschchen fürs Laptöpchen dürfte ich auch noch dabei haben. Meine orangene Geschichte erzähle ich der netten Dame am Check-in nicht.
Nun müssen schnell ein paar Dollar her. Ob es hier einen Geldautomaten gäbe, der eventuell auch amerikanische Dollar ausspuckt, frage ich. Eventuell da unten, meint die nette Dame. 'Da unten' frage ich einen jungen Mann mit dem fetten Aufdruck 'How can I help' auf dem T-Shirt. Er meint der Automat da hinten, der neue, würde das tun. Ein Sicherheitbeamter kommt vorbei und überhört das Gespräch und meint, nein der täte das nicht. Aber ich solle doch Pfund ziehen und die dann vorne am Wechselschalter umtauschen. Das koste summenunabhängig nur drei Pfund Gebühr im Gegensatz zu sonst fälligen hohen Kosten wenn ich mit der Kreditkarte Dollar kaufte. This was my man! Ran an den Automaten, das Geld rausgedengelt (meine Bank ist so großzügig und berechnet dafür im Ausland nix) und ab an den Schalter. Die Schalterdame fragt ob ich eine Rücktauschoption wolle. Nö. Wieso. Dann sei ich wohl auf der Rückreise nach Hause? Häh? Kling, Groschen im Kasten, ich kläre sie auf und wir halten ein Schwätzchen über dies und das.
Nach dem kleinen Plausch mit der Schalterdame muss eine Zeitung her. Wässerchen gibt’s gratis dazu. Alles prima hier.
Bei der Sicherheitskontrolle habe ich Pech. Den Laptop möchten sie einer Sprengstoffkontrolle unterziehen. Und das Köfferchen hat sie auch neugierig gemacht. Bei den Laptops sei heute jeder zehnte dran, erklärt man mir. Ich habe Zeit Kinders. Macht mal. Mit einem feinen Läppchen wischt die Kontrolleurin über meinen Laptop. Ich bin kurz davor sie zu bitten, das doch gleich richtig gründlich zu machen – erspart mir die Reinigung. Beim Köfferchen stellt sich dann heraus was Frau alles so an Technik mit sich rumschleppt für fünf Tage. Auf einen Haufen gelegt, kann das schon mal Verdacht auslösen. Als alles wieder eingepackt ist, verabschiedet sich die Kontrolleurin mit einem „Have a save journey, love, all done and dusted“ von mir. Herrlich, ich habe immer noch Zeit, darf ich noch mal raus und wir wiederholen das?
Eine Ecke weiter passiere ich dann eine mir bisher unbekannte Einrichtung: den Schuhdurchleuchter. Aus der Schweiz kenne ich den peinlichen Vorgang, die Schuhe ausziehen zu müssen, die dann durchleuchtet und zurückgegeben werden. Ich komme mir da immer nackt gemacht vor, auch musste nie jeder aus seinen Galoschen aussteigen.
Die Briten hingegen machen das zurückhaltender. Hier müssen alle aus den Schuhen, diese nacheinander aufs Band stellen (Vorteil: unangenehme Gerüche lassen sich keiner einzelnen Person mehr zuordnen) und einen fein gewischten schwarzen Streifen bis zum Ende des Bandes auf Socken oder barfuß tippeln. Dann gibt’s die Treter zurück. Eine Beamtin guckt von fern zu, wahrscheinlich hat sie ein sehr empfindliches Näschen.
Ansonsten ist hier alles wie früher. Kaffee zu normalen Preisen, die Engländerinnen wie immer sofort an nackten Beinen und viel zu dünnen Fähnchen um die leicht schwabbelige Taille zu erkennen. Some things simply don't change.
Und weiter mit britischem Humor:
Yes, they can! - do it like the Americans. Das heißt in diesem Falle über eine Stunde warten, dreißig sinnlose Fragen teilweise lügend beantworten, um endlich ins Land gelassen zu werden.
Das Schlafdefizit verzögert die Aufnahme der ungewöhnlichen Eindrücke.
Und dann ist irgendwann Ankunft!